Mietwohnung und trotzdem Solarstrom nutzen? Diese Optionen gibt es

Der Wunsch nach Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen und fossilen Energiequellen wächst in der Gesellschaft – und das nicht nur bei Eigenheimbesitzern. Auch in Mietwohnungen wollen viele Menschen aktiv zur Energiewende beitragen und gleichzeitig ihre Stromkosten senken.

Doch gibt es überhaupt konkrete Möglichkeiten, wenn kein eigenes Dach für die Installation einer klassischen Photovoltaikanlage zur Verfügung steht? Die gute Nachricht gleich vorweg: Der Markt hat längst auf die Wünsche der Verbraucher reagiert – und zwar mit Lösungen, die Mieterinnen und Mieter nicht länger ausschließen.

Steckerfertige Solaranlagen: Solarstrom direkt vom Balkon

Die wohl bekannteste Möglichkeit für Mieter stellen die sogenannten Balkonkraftwerke dar, die auch als steckerfertige Solaranlagen bezeichnet werden. Bei ihnen handelt es sich um kompakte Photovoltaikmodule, die am Balkon, an der Hauswand oder auf einer Terrasse montiert und mit einer Steckdose im Haushalt verbunden werden. Der erzeugte Strom fließt direkt in das Hausstromnetz und deckt vorrangig den eigenen Verbrauch.

Mit der Gesetzesnovelle des Solarpakets I hat der Gesetzgeber im Jahr 2024 den Einsatz dieser Mini-Anlagen noch einmal erheblich vereinfacht: Die Anmeldung wurde deutlich entschlackt, Vermieter dürfen die Installation nicht mehr grundlos untersagen und die zulässige Einspeiseleistung wurde auf 800 Watt erhöht.

Auch finanziell zeigen sich Balkonkraftwerke für viele Mieter attraktiv: Die Kosten liegen – je nach Ausstattung – zwischen 300 und 800 Euro. Die Geräte amortisieren sich damit, abhängig von der Haushaltsgröße und dem Stromverbrauch, meist innerhalb von fünf bis acht Jahren.

Dennoch sollten Interessierte im Vorfeld genau prüfen, welche baulichen Gegebenheiten erfüllt werden müssen. Außerdem variieren die Kosten einer Photovoltaikanlage nicht nur abhängig von ihrer Größe, sondern auch der Qualität der Komponenten und dem Installationsaufwand.

Mieterstrom: Kollektive Versorgung im Mehrfamilienhaus

Während Balkonkraftwerke eine individuelle Lösung darstellen, setzt das Mieterstrommodell auf Gemeinschaft.

Bei diesem Konzept betreibt entweder der Vermieter selbst oder ein externer Energiedienstleister eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Mietshauses. Der erzeugte Solarstrom wird direkt an die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses geliefert.

Der Vorteil: Die Stromlieferung erfolgt ohne Nutzung des öffentlichen Netzes, wodurch Netzentgelte, Umlagen und bestimmte Steuern entfallen. Die gesetzliche Regelung sieht zudem vor, dass Mieterstrom mindestens zehn Prozent günstiger als der örtliche Grundversorgungstarif angeboten werden muss.

Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen zeigt sich die Umsetzung in der Praxis bislang begrenzt. Als Gründe dafür gelten unter anderem der hohe administrative Aufwand, bestehende steuerrechtliche Unsicherheiten und die fehlenden wirtschaftlichen Anreize für Vermieter. Die Bundesregierung arbeitet derzeit jedoch an Vereinfachungen, um das Modell in Zukunft breiter verfügbar zu machen.

Solarstrom über Energie-Communities und Bürgerenergieprojekte

Neben solchen individuellen und gebäudegebundenen Lösungen existieren auch innovative Konzepte, die auf gemeinschaftlicher Nutzung von Solarstrom basieren. Energie-Communities oder Bürgerenergiegenossenschaften bündeln mehrere Haushalte, die sich an einem gemeinsamen Solarprojekt beteiligen.

Auch für Mieter zeigt sich dies interessant. Menschen, die keinen Zugriff auf ein eigenes Dach haben, können sich auf diese Weise an externen Solaranlagen beteiligen – beispielsweise an einem Solarpark in der Region. Im Gegenzug erhalten sie ein Stromkontingent oder eine Rückvergütung.

In der Praxis ist dieses Modell jedoch ebenfalls noch wenig verbreitet und mit einem gewissen Aufwand verbunden. Dennoch bieten einige Anbieter inzwischen digitale Plattformen, auf denen der Bezug von regionalem Solarstrom anteilig möglich ist – auch ohne eigene Investition in eine Anlage.

Was Mietende grundsätzlich beachten sollten

So unterschiedlich sich die Modelle auch gestalten – einige grundsätzliche Punkte gelten für alle, die in einer Mietwohnung Solarstrom nutzen möchten:

  • Genehmigung und Abstimmung: Bei Balkonkraftwerken sollte im Vorfeld der Installation der Vermieter informiert werden, auch wenn dieser nicht mehr grundsätzlich widersprechen darf. Bei Mieterstromprojekten ist eine Kooperation mit der Hausverwaltung oder dem Vermieter nötig.
  • Technische Voraussetzungen prüfen: Ein geeignet ausgerichteter Balkon oder eine frei zugängliche Steckdose sind die Grundvoraussetzungen. Bei Mieterstromlösungen ist auch die bauliche Eignung des Hauses entscheidend.
  • Stromzähler und Netzbetreiber: Die Nutzung von Eigenstrom durch Balkonkraftwerke erfordert einen kompatiblen Zähler, zum Beispiel. einen Zweirichtungszähler. Viele Netzbetreiber bieten inzwischen eine kostenfreie Umrüstung an.
  • Anmeldung nicht vergessen: Auch Mini-PV-Anlagen müssen im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur registriert werden. Dieser Vorgang ist kostenlos und bequem online durchführbar.

Mietende müssen nicht länger zuschauen

Der Zugang zu Solarenergie war lange Zeit den Eigentümern vorbehalten. Inzwischen gibt es jedoch zahlreiche Wege, auch als Mieter aktiv zur Energiewende beizutragen – ob in Form eines eigenen Balkonkraftwerks, der Beteiligung an einem Mieterstrommodell oder des Engagements in einer Energie-Community.

Es bestehen noch immer gewisse Hürden, etwa durch bürokratische Vorgaben oder die technische Infrastruktur im Gebäude. Doch mit der zunehmenden politischen Unterstützung, den rechtlichen Erleichterungen und den wachsenden Angeboten wird Solarstrom für Mieterinnen und Mieter in Deutschland zunehmend zu einer realistischen Option.

Diejenigen, die sich informieren, die vorhandenen technischen Möglichkeiten nutzen und im Dialog mit ihren Vermietern bleiben, können auch ohne eigenes Dach von umweltfreundlichem Sonnenstrom profitieren – und dabei nicht nur das Klima, sondern auch den eigenen Geldbeutel schonen.

Leseempfehlung: Die heimlichen Stromfresser und clevere Sparmöglichkeiten

 

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