Windräder im Sonnenlicht in der Schweiz

 

Die Energiekrise und ihre Auswirkungen auf die Strompreise in der Schweiz

Einleitung

Die Energiekrise hat die Strompreise in ganz Europa explodieren lassen. Auch die Schweiz ist betroffen, jedoch auf eine andere Weise als viele ihrer europäischen Nachbarn. Aufgrund besonderer Eigenheiten im Strommarkt der Schweiz fällt die Auswirkung der Krise unterschiedlich aus. In diesem Blogbeitrag erläutern wir, wie der Schweizer Strommarkt funktioniert, welche Akteure eine Rolle spielen und welche Faktoren die Strompreise beeinflussen.

1. Der Schweizer Strommarkt

1.1 Teilweise Liberalisierung
Seit 2009 ist der Schweizer Strommarkt teilweise liberalisiert. Unternehmen mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 100.000 kWh können ihren Stromanbieter frei wählen. Dies betrifft jedoch nur etwa 0,8 % aller Netznutzer. Haushalte und kleinere Unternehmen, die sogenannten „gebundenen Kunden“, müssen ihren Strom von lokalen Versorgern beziehen. Dies führt zu erheblichen Preisunterschieden zwischen den Gemeinden.

1.2 Lokale Preisunterschiede
Im Jahr 2022 zahlten die Einwohner von Basel 28 Rappen pro Kilowattstunde, während der Preis in Simplon im Wallis nur 11 Rappen betrug. Diese Preisunterschiede sind auf die unterschiedlichen Beschaffungsstrategien und die lokale Steuerbelastung der Stromversorger zurückzuführen.

2. Wichtige Akteure im Schweizer Stromsektor

2.1 Verteilnetzbetreiber
In der Schweiz gibt es etwa 630 Verteilnetzbetreiber, von denen 70 % keinen eigenen Strom produzieren. Diese Betreiber sind häufig Gemeinden, die die lokale Versorgung sicherstellen.

2.2 Systemrelevante Unternehmen
Die Schweizer Regierung hat drei systemrelevante Stromversorger identifiziert: Axpo, Alpiq und BKW. Der Ausfall eines dieser Unternehmen könnte die Versorgung des gesamten Landes beeinträchtigen.

2.3 Swissgrid
Swissgrid betreibt das gesamte Hochspannungsnetz der Schweiz und gewährleistet den Stromaustausch mit den europäischen Ländern. Swissgrid befindet sich im Besitz der großen Schweizer Energieunternehmen.

3. Festlegung der Strompreise

3.1 Zusammensetzung der Stromtarife
Der Stromtarif für gebundene Kunden setzt sich aus dem Energiepreis, den Transportkosten und verschiedenen Steuern und Abgaben zusammen. Die Preise variieren von Gemeinde zu Gemeinde und hängen von der lokalen Steuerhöhe sowie der Beschaffungsstrategie des Versorgers ab.

3.2 Rolle der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom)
Die 630 Verteilnetzbetreiber müssen ihre Tarife jährlich der ElCom vorlegen. Diese kann unbegründete Erhöhungen verbieten oder zu hohe Preise auch rückwirkend senken.

4. Auswirkungen der internationalen Strompreiserhöhungen

4.1 Importabhängigkeit im Winter
Während die Schweiz im Sommer ihren Strombedarf hauptsächlich durch Wasserkraftwerke decken kann, muss im Winter etwa 40 % des Stroms importiert werden. Dies macht die Schweiz anfällig für internationale Preisschwankungen.

4.2 Prognostizierte Preiserhöhungen
Für das Jahr 2023 wird eine durchschnittliche Preiserhöhung von 27 % erwartet. Die Auswirkungen variieren jedoch je nach Unternehmen. Verteilnetzbetreiber, die einen Großteil der Elektrizität selbst produzieren, sind weniger betroffen. Beispielsweise wird BKW im Jahr 2023 einen Preis von 25,5 Rappen pro kWh verlangen, während Romande Energie die Tarife von 21,2 Rappen auf 32,2 Rappen pro kWh erhöht.

4.3 Unterstützung für große Versorger
Große Stromversorger wie Axpo und Alpiq haben Schwierigkeiten, die liquiden Mittel für die Garantien ihrer künftigen Verträge aufzubringen. Axpo erhielt deshalb einen Kredit von vier Milliarden Franken von der Schweizer Regierung.

5. Integration in den europäischen Strommarkt

5.1 Technische Integration
Technisch ist die Schweiz Teil des europäischen Stromnetzes und gewährleistet mit 41 grenzüberschreitenden Hochspannungsleitungen den Stromaustausch zwischen den Ländern. Die Schweiz ist auf diese Verbindungen angewiesen, um ihre Versorgung zu sichern.

5.2 Politische Beziehungen
Die Beziehungen zur EU sind kompliziert, da die Schweiz nicht Mitglied ist und ihren Markt noch nicht vollständig liberalisiert hat. Nach dem Abbruch der Gespräche über ein Rahmenabkommen mit der EU führt Swissgrid technische Verhandlungen mit europäischen Netzbetreibern.

6. Gründe für die teilweise Liberalisierung

6.1 Volksentscheid von 2002
Ein Volksentscheid im Jahr 2002 stoppte die vollständige Liberalisierung des Marktes. 52,6 % der Stimmberechtigten lehnten die Liberalisierung ab.

6.2 Neues Energiegesetz von 2017
2017 stimmte jedoch eine Mehrheit für ein neues Energiegesetz, das die schrittweise Stilllegung aller Atomkraftwerke in der Schweiz vorsieht.

6.3 Neues Stromversorgungsgesetz
Die Schweizer Regierung erarbeitet derzeit ein neues Stromversorgungsgesetz, das eine vollständige Liberalisierung des Marktes und den Umstieg auf erneuerbare Energien vorsieht. Angesichts der aktuellen Energiekrise wird diese Debatte voraussichtlich turbulent.

Fazit

Die Energiekrise trifft auch die Schweiz, jedoch sind die Auswirkungen aufgrund des teilweise liberalisierten Marktes und der starken Wasserkraftnutzung weniger drastisch als in anderen europäischen Ländern. Die zukünftige Entwicklung hängt stark von den politischen Entscheidungen zur Marktliberalisierung und der Integration erneuerbarer Energien ab.

Energie sparen bei der Mobilität

Energie sparen bei der Mobilität

Energie sparen bei der Mobilität Der Bereich Mobilität verändert sich rasant, während umweltbewusstes Handeln immer wichtiger wird. Viele Menschen suchen nach Wegen, ihre Fahrtwege umweltfreundlicher zu gestalten und Ressourcen zu schonen. Innovative Technologien und...

0 Kommentare

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Strom-Blog

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen